Das Baby von einst wird erwachsen: Im Frühjahr 2000 erwirbt die Familie Brunner das benachbarte Wirth-Anwesen am Oberen Markt. Fast 18 Jahre später, zur Jahreswende 2018 soll es, liebevoll umgebaut und saniert, als Hotel eröffnen - als einzigartige Perle.

 

Dass die Neunutzung des einstigen Metzgerei-Gebäudes, noch dazu als Einzeldenkmal ausgewiesen, eine große Herausforderung ist, war der Familie Brunner von Anfang an klar. An Ideen hat es nie gemangelt. "Wir haben alles durchgespielt, vom Einzelhandel bis zur Gastronomie. Nur das Richtige war eben nicht dabei", gesteht Stefan Brunner, in dessen Besitz auch das Markthaus Brunner am Oberen Markt 15 ist.

Der sprichwörtliche Durchbruch kam mit Andreas Mohr (48) und dessen Frau Silke (47), die seit Januar 2015 das Kaffeehaus im Markthaus führen. Die Mohrs leiteten davor über zwei Jahrzehnte hinweg ein Hotel bei Bamberg. Warum also nicht ein Hotel anbauen? Der Bedarf dafür sei in der Altstadt sicherlich vorhanden. "Überzeugend sind die Synergien, die Doppelnutzungen, die dem Projekt einen besonderen Charme verleihen", betont Brunner.

Ein Aufzug für zwei Häuser

Dreh- und Angelpunkt ist die Erschließung: Ein Aufzug, dessen Schacht bereits durch das Wirth-Anwesen gebrochen ist, erschließt nicht nur das Hotel selbst barrierefrei, sondern auch das Kaffeehaus im ersten Obergeschoss. Das Markthaus wird in diesem Jahr in großen Bereichen grundlegend umgestaltet. Die Häuser eint eine neue Haustechnik: die Abwärme aus den Kühlanlagen des Markthauses heizt das Hotel.

Der Schankraum im Wirth-Gebäude dient weiterhin dem Kaffeehaus und der Terrassen-Bewirtschaftung am Oberen Markt. Und er übernimmt die Rolle als Empfangsraum und Rezeption fürs Hotel. Neu geschaffen wird eine Behinderten-Toilette im Erdgeschoss, die auch für die Kaffeehaus-Kunden gedacht ist. Der Innenhof wird freigeräumt und wächst zur grünen Oase für Hotel und Markthaus. "Wir führen die beiden Häuser optimal zusammen." Das Wirth-Anwesen kann sogar mit fünf Süd-Balkonen aufwarten.

Mit der Planung beauftragte Stefan Brunner Architekt Walter Bauer. "Ende des Jahres wollen wir einziehen ", bestätigt der Bauherr, dem in der langen Planungsphase das Haus ans Herz gewachsen ist. "Die Sanierung, der Erhalt der alten Strukturen des Gebäudes ist eine große Herausforderung. Und die haben wir gern angenommen." Die Kombination von alter Bausubstanz mit moderner Ausstattung sorge für den Reiz des Ganzen, erklärt Andreas Mohr.

Baudenkmal inszeniert

Zehn Gästezimmer (eines im Erdgeschoss, je vier im ersten und zweiten Obergeschoss sowie ein Appartement im Dachgeschoss), jeweils deutlich über 25 Quadratmeter groß, entstehen im voll klimatisierten Hotel. "Die Gewölbe, auch im ersten Obergeschoss, sind einfach der Bringer. Wir inszenieren ein Baudenkmal, machen es erlebbar. Wir haben uns in die Planung reingehängt und können jetzt das Ergebnis fast erfühlen. "

Jeder Zimmer-Grundriss sei anders, greife ein anderes Thema auf, erzählt Mohr. "Wir haben ein Bild vor Augen, wie das Haus dastehen soll. Wir werden nicht die billigsten in Weiden sein. Aber unsere Gäste bekommen wirklich etwas besonderes geboten." Das Frühstück etwa komme - auf Wunsch - aus dem Markthaus. "Als Hotel-Restaurant fungiert die gesamte Gastronomie in der Altstadt."

Jeder Gast sei sofort und unmittelbar ins Leben der Altstadt eingebunden - "sofern er das wünscht". "Ansonsten bieten die dicken Mauern Ruhe und Geborgenheit." Eine Schlüsselrolle spielt das Internet: Dort wird gebucht und bezahlt. Der zugewiesene Code öffnet die Türen, so dass die "klassische Rezeption" nicht benötigt wird.
(Quelle: Josef-Johann Wieder - Onetz)